Das Stadtzentrum von Dietikon geht kaputt

Das Trauerspiel des Otto L.T.B. Müller, Kapitel 2

Die az Limmattaler-Zeitung war in den letzten Tagen voll von Lobeshymnen über die Stadtentwicklung in Niderfeld. Wenn Sie vom „Boulevard“ auf dem „Bike Trial“ für „Urban Gardening“ in den „Central Park“ kommen und der Biodiversität huldigen dann freuen Sie sich, dass im Niderfeld Wohnungen vor allem für Familien entstehen, und dass sogar zwei Schulhäuser geplant werden. Diese werden allerdings erst in weiter Ferne realisiert. Im Zeitpunkt, in dem sie benötigt würden, werden sie noch nicht stehen. Aber das ist man sich ja in Dietikon bereits gewöhnt. Man wird den Eindruck nicht los, dass nun alles möglichst schnell gehen muss, damit man die Limmattaler Standardbeförderung – die Limmatstadtbahn – im Gespräch halten kann. Auch die verschiedenen Interviews in den elektronischen Medien mit dem Stadtpräsidenten versprühen weder Überzeugung noch Begeisterung.

Die Limmatstadtbahn – oder ein Bus (!) – soll das Niderfeld auf einem Boulevard durchqueren. In den Richtlinien für die Erneuerung und Verdichtung des Gebäudebestandes entlang dem Limmattalbahntrassee vom 8. Dezember 2014 bezeichnet die Präsidialabteilung allerdings die Achse Badenerstrasse / Zentralstrasse / Zürcherstrasse als zukünftiger Stadtboulevard. Was gilt jetzt? Ein Boulevard, eine breite Prachtstrasse oder Flaniermeile, wo gibt es das in der Deutschschweiz schon? Eine Strasse, die dem Langsamverkehr huldigt, als Flaniermeile im Niderfeld für 3‘000 Bewohner und einen Logistikbetrieb. Welche renommierten neuen Geschäfte wird es dorthin ziehen, wenn sie die potentiellen Kunden mit dem Auto in nur wenigen Minuten den Einkaufsmoloch Spreitenbach mit seinen Parkhäusern erreichen? Und jetzt kommen zu den Velohaus-Bierideen auch noch eine Seilbahn und eine Hochhausplanung.

Ob all dem vergisst man, dass man derweil, dass das Stadtzentrum kaputt gemacht wird.

Bei anderer Gelegenheit habe ich die Befürworter der Limmattalbahn als „Totengräber unserer Stadt“ bezeichnet. Wenn man grosse Freude verbreitet, indem man drei Gebäude mit verschiedenen Restaurants und Gewerbebetrieben im Werte von mehreren Millionen zu enteignen oder zu kaufen will, bevor man überhaupt mit den Eigentümern vertiefte Gespräche geführt hat, dann kann man das als hinterhältigen Angriff auf das private Wohneigentum und gegen Hauseigentümer und Gewerbetreibende bezeichnen, deren Interessenvertreter sich hinter der Limmattalbahn verstecken!

Am 1. April 2015 (ein Aprilscherz?) hat Daniel Issler, der Projektleiter der Limmattalbahn AG in einem Interview in der az Limmattaler Zeitung erklärt, dass es in Dietikon keine neue Ausschreibung mehr gebe. Das Bundesamt für Verkehr hat uns daraufhin auf Anfrage bestätigt, dass es nochmals eine Ausschreibung geben werde. Ab kommendem Montag können Sie sich über die geplanten Veränderungen im Zentrum  von Dietikon informieren.

Darf man solchen Planungsverantwortlichen überhaupt noch Glauben schenken? Wen wundert’s, was da noch kommen wird. Ich bleibe bei den Totengräbern und neige zur Ansicht, dass die Einigung der Stadtregierung mit der Limmattalbahn AG wohl eher einem Pakt mit dem Teufel ähnelt.

zum Kapitel 1

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