Was die schwindende Qualität des Schweizer ÖV mit der Limmattalbahn zu tun hat

„Sauna-Züge bei den SBB“: Hohe Pannenquote bei Klimaanlagen im Hochsommer 2014 – 490 Klimaanlagen-Störungen allein im heissen Juni. Darüber berichtet die ‚Schweiz am Sonntag‘ in ihrer aktuellen Ausgabe vom 20. Juli 2014. Was hat dies mit neuen Projekten wie der Limmattalbahn (LTB) zu tun?

Wenige Wochen nachdem bekannt wurde, dass den SBB rund 500 Millionen Franken für dringend benötigte Schienensanierungen fehlen (siehe auch Zugentgleisung in Schwerzenbach im Februar 2013) meldet die ‚Schweiz am Sonntag‘ in ihrer heutigen Ausgabe (SaS v. 20.7.14, S.4), dass bei SBB-Zügen in insgesamt 490 Fällen – alleine im Juni 2014 – die Klimaanlage ausgefallen ist.

Es ist offensichtlich, dass Gelder für den ÖV besser in den Unterhalt von bestehenden Strecken sowie Fahrzeugen investiert werden sollten. Die aktuell leidende Pünktlichkeit beim ÖV, Sicherheitsprobleme sowie der schleichende Komfortverlust müssen dringend angegangen werden. Auf Luxusprojekte wie die überflüssige LTB mit Baukosten von alleine rund 800 Millionen Franken sollte zugunsten einer Sicherstellung der Qualität der bestehenden Infrastruktur verzichtet werden. Allein der Betrieb der LTB würde jährlich zusätzliche Kosten im zweistelligen Millionenbereich verursachen.

Interessanterweise forderte ja gerade der Bundesrat kürzlich eine Stilllegung von unrentablen Bahnstrecken. Es wird nun geprüft, welche kostenintensiven Bahnstrecken durch Busverbindungen ersetzt werden können. Warum möchte man dann mit der LTB, mit hunderten von Millionen Franken, eine neue, von Beginn weg unrentable und kostenintensive Bahn bauen? Zürich-Altstetten, Schlieren sowie Dietikon sind schon heute recht gut an den ÖV angebunden – der Regional-ÖV ist – ausser zur Rush Hour – noch nicht einmal völlig ausgelastet. Und dass man um 07.30 oder um 17.30 im ÖV auch einmal stehen muss, dass weiss man in den Grossstädten der Welt schon seit Jahrzehnten. Und bei Bedarf kann man – relativ einfach und mit überschaubaren Kosten – zu den Spitzenzeiten zusätzliche Kurs fahren lassen.

Der ÖV in der Schweiz muss bedarfsgerecht ausgebaut werden, das bedeutet dort, wo die Kapazitäten nicht ausreichen (d.h. durch eine Steigerung der Taktfrequenzen) – und in einer Art und Weise, welche die früher gekannte Schweizer Qualität und die Pünktlichkeit wieder herstellt. Auf überflüssige und kostenintensive Projekte wie die LTB ist daher zu verzichten – ausser man möchte weiterhin alle zwei Jahre der Bevölkerung erklären müssen, weshalb die Ticketpreise schon wieder erhöht werden!

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