Werbung für die Limmattalbahn mit überholten Planungsannahmen

Für Sie gelesen in der Gewerbezeitung Nr. 2 vom 7. Mai 2015

Die von der Standortförderung Limmattal als Impulsgeber für die Region propagierte Limmattalbahn geht auf Planungsannahmen der Jahre 2002 – 2006 zurück. Es wird dabei von einem grossen Bevölkerungswachstum in den Städten ausgegangen. Dies hat sich zu einem massgeblichen Teil auch so eingestellt. Doch dafür war bis heute keine Limmattalbahn notwendig.

Die Planungsannahmen gingen damals von einem grossen Bevölkerungswachstum aus, einerseits durch innere Verdichtung und andererseits durch Umnutzung von Gewerbe- und Industriearealen. Diese Annahmen haben sich in den vergangenen Jahren als zutreffend erwiesen. In Schlieren ist diese Entwicklung weitgehend abgeschlossen, in Dietikon insbesondere in den Gebieten Limmatfeld bis Silbern jedoch noch in vollem Gange. Bis ins Jahr 2022 dürfte diese Entwicklung ebenfalls abgeschlossen sein. Es handelt sich dabei um Gebiete im Einzugsgebiet der bestehenden S-Bahn-Stationen oder um solche fernab der geplanten Linienführung der Limmattalbahn.

Keine ausreichende Nachfrage nach einer Limmattalbahn

Die neuen Wohngebiete sind in keiner Art und Weise auf eine zu erstellende Stadtbahn angewiesen. Und in den bestehenden Wohngebieten, die neu auch durch die Limmattalbahn erschlossen würden, ist keine über das bestehende Busangebot hinausgehende Nachfrage auszumachen. Es kann also festgestellt werden, dass zum heutigen Zeitpunkt rund 50% der bis 2030 vorgesehenen Bevölkerungszunahme bereits stattgefunden hat, aber noch überhaupt keine Nachfrage nach einem zusätzlichen Verkehrträger für diese Neuzuzüger vorhanden ist. Das lässt den einfachen, und von der Mehrheit der Limmattaler Bevölkerung auch gezogenen Schluss zu, dass es die Limmattalbahn in der vorgesehenen, am 30. März vom Zürcher Kantonsrat genehmigten Form gar nicht braucht, respektive nie brauchen wird.
Was ganz klar bereits heute von Unternehmen und Gewerbetreibenden gefordert wird, ist ein funktionierendes Strassennetz innerhalb der Region, und zwar bis in die Zentren hinein. Der Kantonsrat hat im dritten Teil seines Beschlusses auch 136 Millionen Franken für ergänzende Massnahmen am Strassennetz gutgeheissen, aber erst in der nächsten Dekade und nach Abschluss des Baus der Limmattalbahn. Auch hier liegt aus Sicht des Limmattals eine Fehleinschätzung vor, müsste doch dieser Ausbau des Strassennetzes mit absoluter Dringlichkeit vorgenommen werden.

Es fehlt am Geld, an leistungsfähigen Strassen und an Schulräumen

Das Niederfeld müsste nach Richtplanvorgaben vor der Einzonung durch ein schienengebundenes Verkehrsmittel erschlossen werden. Dem wäre durch eine neue S-Bahnstation Silbern genüge getan. Irgendwo müssen auch die um 29% zunehmenden Arbeitsplätze entstehen. Ein Dietiker Logistikunternehmen hat dazu Pläne im Niederfeld vorgelegt. Es war dann aber sehr erstaunlich zu hören, dass Parks und sonstige geplante Freiflächen einen so grossen Flächenbedarf nicht zuliessen. Wo, wenn nicht in direkter Nähe eines Autobahnanschlusses sollen sich dann die Logistikunternehmen ansiedeln? Die Bevölkerungszunahme in Dietikon äussert sich auch im zunehmenden Bedarf an Schulräumlichkeiten. Diese konnten in der Vergangenheit nicht zeitgerecht erstellt werden, und es ist aus Kosten- und Platzgründen nicht absehbar, ob Dietikon in den nächsten Jahrzehnten über genügend Schulräume verfügen wird. Darüber hinaus sind weitere Infrastrukturen für diese wachsende Bevölkerung zu erstellen und zu unterhalten. Es ist daher wirklich fraglich, ob unter dem Strich von dem erwarteten Steueraufkommen noch etwas für Dietikon übrigbleiben wird, oder ob Dietikon neben weiteren traurigen Negativrekorden auch noch am Maximalsteuerfuss hängenbleibt.

Wer soll die Limmattalbahn am Schluss bezahlen?

Im Kantonsratsbeschluss sind zwar die auf den Kanton Zürich entfallenden Initialkosten aufgeführt, nicht aber die von den betroffenen Gemeinden darüber hinaus zu tragenden Kosten für Werkleitungen und Haltestellen. Die Genehmigung dieser Kosten wird aber den demokratischen Entscheidungsprozessen entzogen und muss als gebundene Ausgaben den bereits strapazierten Gemeindebudgets aufgebürdet werden. Auch die Finanzierung des Rollmaterials und des Betriebes lässt noch viele Fragen offen, insbesondere inwieweit sich die Benutzer durch steigende Ticketpreise daran beteiligen werden, und welche Anteile der Kostenunterdeckung durch Kanton und Gemeinden getragen werden. In Anbetracht dieser offenen Fragen ist das vom Komitee „Eine halbe Milliarde für die Limmattalbahn?“ ergriffene Referendum  die letzte Möglichkeit, um hier noch korrigierend eingreifen zu können.

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